PRESSEINFORMATION: „VON GEISTERN VOLL UND SINNEN“ | ZWEI ABENDE FÜR OSKAR PASTIOR

„VON GEISTERN VOLL UND SINNEN“         ZWEI ABENDE FÜR OSKAR PASTIOR (1927-2006)   18.- 19. Dezember 2017 / „Attico“, Potsdamer Straße 98A, HH 5. Stock, 10785 Berlin   Veranstalter: „Attico“...
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VON GEISTERN VOLL UND SINNEN“        

ZWEI ABENDE FÜR OSKAR PASTIOR (1927-2006)

 

18.- 19. Dezember 2017 / „Attico“, Potsdamer Straße 98A, HH 5. Stock, 10785 Berlin  

Veranstalter: „Attico“ und das Rumänische Kulturinstitut Berlin

Organisation, Konzept: Theresia Prammer

 

Im Oktober dieses Jahres hätte sich Oskar Pastiors Geburtstag zum 90. Mal gejährt. In Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin nimmt das „Attico“ dieses Datum zum Anlass, um das einzigartige Werk des Büchner-Preisträgers mit poetologischen Überlegungen, essayistischen Annäherungen, persönlichen Erinnerungen sowie in Lesungen und Gesprächen zu ehren.

Ob er Villanellen, Vokalisen, Gimpelstifte, Palindrome oder Sestinen verfasste: Stets war Oskar Pastior, im rumänischen Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren und nach seiner Übersiedelung aus Rumänien jahrzehntelang in Berlin beheimatet, an der Erweiterung und Bereicherung literarischer Möglichkeiten interessiert. Mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern von „Oulipo“ verband ihn die Lust an der contrainte; in experimentellen Versuchsanordnungen ließ er flüchtige Verheißungen aufleuchten und auch innerhalb enger formaler Schemata war sein Schaffen von großer sprachschöpferischer Verve.

Seit seinen Anfängen Mitte der 60er Jahre hat Pastior einen weiten Weg zurückgelegt. Von der ungeliebten Kooperation mit einem „ganzen Staats- und Gesellschaftszusammenhang“ zu ideologisch korrekten Reimen gezwungen, schulte und schärfte er nach und nach seine eigenen ästhetischen Werkzeuge und ließ jeden Instrumentalisierungsversuch an sich abprallen. Besessen von den inneren Ordnungsbildungen und poetischen Eignungen bestehender und ausgedachter Idiome, war ihm keine Wortverdrehung zu gewagt und jede Verfahrenheit Teil eines neuen Repertoirs.

Poetische Vielsprachigkeit pflegte er, wie schon sein in Czernowitz geborener berühmter Vorläufer Paul Celan, als eine Art Muttersprache. Als Leser und Interpret fand er immer neue Zugangsweisen zu kanonisierten Texten und blieb doch der Tradition verbunden, mit der er seine ureigenen Kämpfe ausfocht. So lebte er gleichsam im Transitraum der Sprache, zuweilen so sehr eins mit seinen Vorhaben, dass kein Weg mehr an der Methode vorbeiführte, dafür aber die Methode immer weitere Möglichkeiten freisetzte.

Pastior, dessen Verstrickungen mit dem rumänischen Geheimdienst erst posthum zum Gegenstand von Debatten wurden, war vertraut mit den Mechanismen von Zensur und Selbstzensur. Schon als ganz junger Mann sei ihm, so erzählte er Herta Müller, die „Sprache zerbrochen im Lager“ und der Ausgleich dieses Verlusts war der Auftrag, den er mit seinem mitreißenden Forschergeist hundertfach variierte. Was immer er sich ausdachte – ein Höricht, ein rückläufiges Heimataggregat, einen krimgotischen Fächer – behauptete unverrückbar seinen Platz in einer dadurch veränderten poetischen Welt. Ja mehr noch: Ohne zumindest ein Ohr für den siebenbürgischen Dichter und seine verbalen Schildbürgerstreiche zu haben, lässt sich heute wohl keine (experimentelle) Lyrik mehr schreiben.

 

 

Programm:

18. 12. 2017, 19.30 Uhr

Einführung: Theresia Prammer

„Alles steht ja drin, das ist ihr springender Punkt”

Ernest Wichner und Ulf Stolterfoht erinnern an Oskar Pastior

und stellen die laufende Werkausgabe bei Hanser vor

Pause

Michael Lentz: „Mein Pastior“. Gedichte & Kommentare

  

19.12. 2017, 19.30 Uhr

Begrüßung: Theresia Prammer

„Auf eine exemplarische Weise kein bissel exemplarisch zu sein“

Hommagen und Interventionen

Moderation: Paul Jandl

mit Oswald Egger, Dagmara Kraus und Sissi Tax

„Alles in der Zeit ist etwas anderes“

Paul Jandl spricht mit den teilnehmenden Autorinnen und Autoren über

Oskar Pastior, sein Werk, seine Poetik und die Fragen, die ihn bewegten

 

Lieblingsgedichte und Weihnachtsumtrunk

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

Oswald Egger, geboren 1963 in Lana, Südtirol. Professor für „Sprache und Gestalt“ an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, lebt auf der Raketenstation Hombroich in Neuss. Zuletzt erschienen „Die ganze Zeit“ (2010), „Euer Lenz“ (2013), Harlekinsmäntel und andere Bewandtnisse (2017) und „Val di Non“ (2017). Das in der Hombroicher Edition „Das böhmische Dorf“ von Oswald Egger herausgegebene Buch „Gewichtete Gedichte“ (2006) war die letzte Publikation Oskar Pastiors zu Lebzeiten.

Paul Jandl, geboren 1962 in Wien, studierte Germanistik und Philosophie in Wien. Kulturjournalist und Literaturkritiker bei der Neuen Zürcher Zeitung.

Dagmara Kraus, geboren 1981 in Wrocław, Polen. Veröffentlichungen von Gedichten und Übersetzungen. 2012 veröffentlichte sie bei kookbooks ihren Debütband „kummerang“. Im selben Jahr erschienen unter dem Titel „Wir Seesterne“ ihre Übersetzungen von Gedichten Miron Białoszewskis. 2015 erschien bei kookbooks der Band „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“, 2016 kam bei „roughbooks“ der Band „wehbuch (undichte prosagen)“ heraus. Dagmara Kraus lebt in Berlin.

Michael Lentz, Autor und Musiker, lebt in Berlin. Seit 2006 ist er Professor für Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein letzter Gedichtband trägt den Titel „Offene Unruh. 100 Liebesgedichte“ (2010).

Ulf Stolterfoht, geboren 1963 in Stuttgart, lebt in Berlin. Lyriker und Übersetzer. Zuletzt:

„was branko sagt“, Ostheim/Rhön: Peter Engstler Verlag 2014 und „neu-jerusalem“, Berlin: kookbooks 2015. Stolterfoht ist Knappe der Lyrikknappschaft Schöneberg und betreibt den kleinen Verlag BRUETERICH PRESS.

Sissi Tax, geboren 1954 in der Steiermark, lebt seit 1982 in Berlin. Sie hat ein Buch über Marieluise Fleiszer geschrieben, Getrude Stein – gemeinsam mit Oskar Pastior –  und David Markson übersetzt. Die Titel ihrer im Droschl Verlag erscheinenden Prosatrilogie lauten: ‘manchmal immer’, ‘je nachdem’, ‘und so fort’, der Trilogie vierter Band:’ vollkommenes unvollkommenes’. Der Titel des fünften Bandes wird lauten: ‘stumm filme schauen.’ 2017 erschien das Buch: ‘the looks, not the books’ im Institut für Buchkunst, Leipzig. Sissi Tax ist Mitglied des Köflacher Vereins zur Rettung des Umlauts, der Forschungs-Gruppe Winchester’73 und des FC Movie Berlin.

Ernest Wichner, geboren 1952 in Guttenbrunn (Zǎbrani), Banat, Rumänien. 1975 ausgewandert in die Bundesrepublik Deutschland, lebt seit 1976 in Berlin. In Berlin Studium der Germanistik und Politologie, seit 1987 tätig im Literaturhaus Berlin, seit 2003 dessen Leiter. Zuletzt veröffentlichte er die Gedichtbände: Neuschnee und Ovomaltine, Berlin, 2013; „bin ganz wie aufgesperrt“, Heidelberg 2013; Rückseite der Gesten, Springe 2003. Letzte Übersetzungen: Mircea Cărtărescu: „Die schönen Fremden“, Wien 2016; Varujan Vosganian: „Das Spiel der 100 Blätter“, Wien 2016; Daniel Bǎnulescu: „Der Teufel jagt nach deinem Herzen“, Ludwigsburg 2017. Ernest Wichner ist Herausgeber der im Carl Hanser Verlag erscheinenden Werkausgabe Oskar Pastiors.

Zusätzliche Informationen finden Sie unter: www.rki-berlin.de; www.dasattico.de

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