PRESSEINFORMAZION. RUMÄNISCHE FILMTAGE IN LEIPZIG

AUFBRUCH AUS/NACH RUMÄNIEN Vorschau auf das kulturelle Rahmenprogramm: Rumänien – Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2018 UT Connewitz, Wolfgang Heinze Strasse 12A, 04277 Leipzig 26 Februar – 13. März 2018/...
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AUFBRUCH AUS/NACH RUMÄNIEN

Vorschau auf das kulturelle Rahmenprogramm: Rumänien – Schwerpunktland der Leipziger Buchmesse 2018

UT Connewitz, Wolfgang Heinze Strasse 12A, 04277 Leipzig

26 Februar – 13. März 2018/ Eintritt frei

Laut Statistik befindet sich Rumänien weltweit auf Rang zwei in Sachen Auswanderung ‒ nur Syrien haben in den letzten 15 Jahren noch mehr Menschen verlassen. Derzeit leben geschätzt 4 Millionen Rumänen im Ausland, während die Einwohnerzahl innerhalb des Landes auf 20 Millionen zurückgegangen ist. So nimmt es nicht wunder, dass die Migration nach der Wende sowie die Flucht(versuche) aus dem kommunistischen Rumänien für Filmemacher besonders reizvolle Themen sind. Da in Rumänien in den letzten Jahren allerdings ein steigendes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen war, während die Lebensbedingungen im Westen sich verschlechterten, kehrten viele rumänische Auswanderer in ihre Heimat zurück, und mit ihnen sogar einige Westeuropäer. Die im Programm enthaltenen zehn Langfilme (drei davon Dokumentarfilme) und drei Kurzfilme, allesamt wichtige rumänische Kinoproduktionen aus den letzten zehn Jahren (darunter auch Koproduktionen mit bedeutendem rumänischem Beitrag), zeigen verschiedene Arten des Aufbruchs aus oder nach Rumänien. Bei den vielfältigen Herangehensweisen an dieses breite Themenfeld werden sicherlich alle Zuschauer auf ihre Kosten kommen. (Kurator des Festivals Mihai Fulger)

Veranstaltung organisiert von dem Rumänischen Kulturinstitut in Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Kulturministerium, Traduki und UT Connewitz.

Programm:

Montag, 26. Februar:

20:00 DER FIXER (Spielfilm, Rumänien-Frankreich, 2016, 98 min) ‒ Regie: Adrian Sitaru

Radu ist Praktikant im Bukarester Büro einer internationalen Presseagentur und will sich als aufstrebender Journalist behaupten. Die Gelegenheit dazu bietet sich mit der Aufdeckung eines Skandals um eine aus Frankreich zurückgekehrte minderjährige Prostituierte. Radu ist bereit, alles zu tun, um einen guten Bericht zu liefern, doch je näher er seinem Ziel kommt, desto tiefer gerät er in ein moralisches Dilemma.

Mittwoch, 28. Februar:

19:00 ES WIRD NACHT IN INDIEN (Spielfilm, Spanien-Schweden-Rumänien, 2014, 90 min) – Regie: Chema Rodríguez

Ricardo, ein drolliger spanischer Mann mittleren Alters, beschließt über Land nach Indien zu reisen, wie früher in den 60ern, als er Hippies hinfuhr. Nur ist sein Vorhaben diesmal ein anderes. Seit zehn Jahren sitzt er im Rollstuhl aufgrund eines degenerativen Leidens, das sich dem letzten Stadium nähert. Dies soll seine letzte Reise sein. Begleitet von seiner rumänischen Haushälterin Dana durchquert er Europa und macht sich über Rumänien, die Türkei, den Iran und Pakistan auf den Weg nach Indien. Die Reise entpuppt sich als witzig und inspirierend und öffnet Türen, von denen sowohl Ricardo als auch Dana dachten, sie seien für immer geschlossen. Während sich der Horizont vor ihnen weitet, öffnen sich ihre Augen für das Wesentliche, und Ricardo entdeckt einen Grund zum Leben.

21:00 BANAT (DIE REISE) (Spielfilm, Italien-Rumänien-Bulgarien-Mazedonien, 2015, 82 min) – Regie: Adriano Valerio

Ivo, ein italienischer Landwirt, nimmt mangels beruflicher Perspektiven in Bari eine Stelle im Banat an, einer fruchtbaren Region Rumäniens. Clara repariert Boote im Hafen von Bari und befindet sich am Ende einer schwierigen langjährigen Beziehung. Die beiden lernen sich in Ivos Wohnung kennen, die er verlässt und die sie übernimmt. Da beide an einem Wendepunkt stehen, fühlen sie sich instinktiv miteinander verbunden. Die Nacht, die sie vor Ivos Abreise zusammen verbringen, entfacht heftige Gefühle und den Wunsch nach einem Wiedersehen. Als Clara entlassen wird, beschließt sie, Ivo in Rumänien zu besuchen. Vor dem Hintergrund der Orientierungslosigkeit in dem fremden Land und der Ungewissheit über ihre Zukunft wächst ihre Liebe, doch stellt sich die Frage, ob ein selbst gewähltes Exil der einzige Weg zum Glück ist.

Mittwoch, 7. März:

19:00 JUDEN ZUM VERKAUF (Dokumentarfilm, Rumänien, 2012, 70 min) – Regie: Radu Gabrea

1974 stieg ein rumänischer Passagier, Inhaber eines Diplomatenpasses, am Züricher Flughafen in eine Maschine mit dem Ziel Bukarest. Bei der Ankunft stellte er mit Entsetzen fest, dass ihm ein Koffer fehlte, den ihm ein alter Bekannter kurz vor der Abreise übergeben hatte. Der besagte Diplomat war General M., Kommandeur bei der Hauptverwaltung Auslandsaufklärung, dem Spionagedienst der Securitate. Inhalt des Koffers war eine Million Dollar, der Preis für die Ermöglichung der Ausreise einer bestimmten Anzahl von rumänischen Juden nach Israel. Dies ist nur eine von vielen Operationen des kommunistischen rumänischen Staates im Bereich des Menschenhandels: der Verkauf von rumänischen Juden an Israel.

Davor wird gezeigt: NIEMANDSLAND (Kurzfilm, Rumänien, 2017, 21 min) – Regie: Marius Olteanu

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte einer Frau, die zusammen mit ihrem todkranken Vater aus einer deutschen Klinik dringend nach Rumänien zurückkehren muss. An der rumänischen Grenze angekommen, merkt sie, dass sie nicht weiterkann.

21:00 DEUTSCHE GEGEN DEVISEN: EIN GESCHÄFT IM KALTEN KRIEG (Dokumentarfilm, Rumänien-Deutschland, 2014, 89 min) – Regie: Răzvan Georgescu

Wie war es möglich, dass das kommunistische Rumänien mit einer ganzen Volksgruppe, etwa 245.000 Rumäniendeutschen, zwischen 1968 und 1989 Handel betrieb? Aus welchen Gründen verschwand eine 850 Jahre alte Kulturtradition binnen 22 Jahren aus Rumänien, in einem Wimpernschlag der Geschichte? Was ist der Preis eines menschlichen Wesens? Und wie bepreist man Freiheit?

Davor wird gezeigt: ALMANIA (Kurzfilm, Rumänien, 2016, 15 min) – Regie: Anton Groves und Damian Groves

Auf einer seiner gewohnten Fahrten von Rumänien nach Deutschland entdeckt ein LKW-Fahrer eine Flüchtlingsfamilie, die in seinem Laster versteckt ist. Er lässt sich dazu überreden, die Mutter und ihre beiden Kinder bis an die Grenze zu fahren, ohne sich dessen bewusst zu sein, wie viel er dabei riskiert.

Freitag, 9. März:

19:00 DIE AFFÄRE TĂNASE (Dokumentarfilm, Rumänien, 2013, 56 min) – Regie: Ionuț Teianu

1982 standen sich der frisch gewählte französische Präsident François Mitterrand und der rumänische Diktator Nicolae Ceauşescu in einer Spionageaffäre gegenüber, die aus einem Kriminalroman hätte stammen können ‒ einem Konflikt hinter den Kulissen zwischen den Geheimdiensten der beiden Staaten, der DST und der Securitate, mitten im Kalten Krieg. Im Januar 1982 beauftragte Ceauşescu einen seiner Agenten damit, zwei rumänische Dissidenten in Paris zu ermorden, die Schriftsteller Virgil Tănase und Paul Goma, beide französische Staatsbürger. Der besagte Agent der Securitate, Matei Haiducu alias Matthieu Forestier, wandte sich jedoch direkt an die DST. Daraufhin arbeitete der französische Geheimdienst eine der unglaublichsten Operationen des Kalten Krieges aus. Er entführte Virgil Tănase, um den Anschein zu erwecken, der Agent habe seinen Auftrag erfüllt. Präsident Mitterrand, der über die geheime Operation im Bilde war, sagte in einer öffentlichen Rede seinen geplanten Staatsbesuch in Rumänien ab und ließ die Entführung dadurch echt erscheinen. Laut der DST hatte die Operation zum Ziel, den Leiter der Securitate, General Pleşiţă, dazu zu bringen, in Frankreich Asyl zu suchen. Der Plan scheiterte jedoch, da auf Anstoß des damaligen Untersuchungsrichters Jean-Louis Debré Informationen an die Presse gelangten. Um sich zu verteidigen, hielten der Geheimagent und seine beiden potenziellen Opfer eine Pressekonferenz ab, auf der sie die Affäre enthüllten. Aus heutiger Sicht lassen sich die Ereignisse von 1982 auch auf andere Weise interpretieren. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass das starke Engagement von Präsident Mitterrand nicht nur auf den Schutz eines Dissidenten abzielte, sondern auch innenpolitische Gründe hatte.

Davor wird gezeigt: GRENZEN (Kurzfilm, Rumänien, 2016, 27 min) – Regie: Andra Chiriac

Angela war schon über ein Jahr nicht mehr zu Hause in Rumänien. Seit fünf Jahren arbeitet sie in Frankreich, um ihre Familie zu unterhalten. Eines Tages steht plötzlich ihr Mann Tavi besorgt und aufgewühlt vor ihrer Tür.

21:00 DER JAPANISCHE HUND (Spielfilm, Rumänien, 2013, 90 min) – Regie: Tudor Cristian Jurgiu

Costache Moldu, ein alter Mann, verliert nach einem Hochwasser seine Frau, sein Haus und sein ganzes Hab und Gut. Da taucht unerwartet sein Sohn Ticu aus Japan auf, zum ersten Mal nach 20 Jahren. Die Erwartungen sind beiderseits hoch, doch die Wirklichkeit setzt noch einen drauf. Nach dem kurzen Wiedersehen bleibt die Hoffnung, dass das Abschiedsgeschenk, das der alte Mann bekommt, ein japanischer Roboterhund, ihrer beider Leben zum Besseren verändern wird.

Montag, 12. März:

19:00 MORGEN (Spielfilm, Rumänien-Frankreich-Ungarn, 2010, 100 min) – Regie: Marian Crişan

Nelu arbeitet als Supermarkt-Wachmann in einer Kleinstadt an der rumänisch-ungarischen Grenze. Bei ihm sieht jeder Tag gleich aus: Frühmorgens geht er angeln, dann zur Arbeit und abends nach Hause. Er und seine Frau leben in einem abgelegenen Haus auf den Feldern außerhalb der Stadt und sind gerade damit beschäftigt, das Dach zu reparieren. Eines Tages macht Nelu beim Angeln einen außergewöhnlichen Fang: einen türkischen Mann, der versucht, die Grenze illegal zu passieren. Der Mann bietet Nelu Geld an, damit dieser ihm bei seinem Unterfangen hilft. Ohne genau zu verstehen, was der Auswanderer ihm erzählt, nimmt Nelu das Geld an und sichert ihm zu, ihn am nächsten Tag über die Grenze zu bringen… Morgen…

Im Anschluss: Gespräch mit dem Regisseur Marian Crişan. Moderation: Mihai Fulger

21:00 FELICIA ÜBER ALLES (Spielfilm, Rumänien-Frankreich-Kroatien-Belgien, 2009, 108 min) – Regie: Răzvan Rădulescu und Melissa de Raaf

Felicias Abreisetag nach dem jährlichen zweiwöchigen Besuch bei ihren Eltern in Bukarest ist wie immer sehr hektisch, und sie verpasst ihren Flug. Während sie versucht, ihn umzubuchen, muss sie sich mit ihren zwei Familien auseinandersetzen: auf der einen Seite ihr Exmann und ihr Sohn in Holland, die mit ihrer pünktlichen Ankunft rechnen, und auf der anderen Seite ihre Mutter, ihr Vater und ihre Schwester in Bukarest, die sich auf ganz eigene Art und Weise nützlich machen wollen. Dazu kommen noch Kommunikationsschwierigkeiten mit der Mutter. All dies offenbart die Probleme, mit denen Felicia in den letzten 19 Jahren zu kämpfen hatte.

Im Anschluss: Gespräch mit den Regisseuren Răzvan Rădulescu und Melissa de Raaf. Moderation: Mihai Fulger

Dienstag, 13. März:

20:00 Abschlussfilm: QUOD ERAT DEMONSTRANDUM (Spielfilm, Rumänien, 2014, 107 min) – Regie: Andrei Gruzsniczki

Rumänien, 1984. Die Entscheidung eines Mathematikers, einen Beitrag in einer amerikanischen Universitätspublikation zu veröffentlichen, ohne die Genehmigung der kommunistischen Obrigkeit einzuholen, löst eine Ereigniskette aus, die das Leben der Menschen in seinem Umfeld verändern wird. Es gibt nämlich keine Entscheidungen ohne Folgen…

Im Anschluss: Gespräch mit der Produzentin Velvet Moraru. Moderation: Mihai Fulger

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